Wie ein vergötterter „Heiliger des Rationalismus“ den Liberalismus korrumpierte und den Weg zum Wohlfahrtsstaat ebnete
Zusammenfassung
These: John Stuart Mill (1806-1873) wird fälschlicherweise als großer Verfechter der Freiheit verehrt. In Wahrheit hat er das Freiheitskonzept pervertiert, den Liberalismus vom Privateigentum und freien Markt abgekoppelt und den intellektuellen Boden für den modernen Interventionsstaat bereitet.
Zentrale Kritikpunkte:
- Ökonomischer Verrat: Mill lehnte das Freihandelsprinzip ab, sympathisierte mit dem Sozialismus und verwarf die liberale Idee der Interessenharmonie zwischen Unternehmern und Arbeitern
- Pervertierter Freiheitsbegriff: Mill definierte Freiheit neu, nicht mehr Schutz vor staatlichem Zwang, sondern „Autonomie“ gegenüber gesellschaftlichen Normen, Traditionen und Religion
- Totalitäre Implikationen: Mills Kreuzzug gegen „gesellschaftlichen Konformitätsdruck“ erfordert letztlich massive Staatsgewalt zur Zerstörung traditioneller Werte
- Interventionistische Außenpolitik: Mill verwarf das liberale Prinzip der Nichteinmischung und lieferte die Rechtfertigung für imperialistische Kriege
- Zensorischer Moralist: Mill war „einer der zensorischsten Moralisten des 19. Jahrhunderts“ (Maurice Cowling), der ständig über Menschen urteilte, die er nicht kannte
Fazit: Mill gehört nicht ins libertäre Pantheon, sondern steht als Warnung vor falschen Freunden der Freiheit. Seine aufgeblähte Reputation hat mehr zur Verwirrung über den wahren Liberalismus beigetragen als jeder andere Denker. Die Kritik des libertären Historikers Ralph Raico an Mill ist vernichtend – und notwendig.
Für wen ist dieser Artikel? Für jeden, der verstehen will, wie der Begriff „Liberalismus“ von seinen Wurzeln – Privateigentum, freier Markt, minimaler Staat – entfremdet wurde, und wie Mills Werk unbeabsichtigt (oder beabsichtigt?) den Weg zum heutigen Wohlfahrtsstaat ebnete.
Lesezeit: ca. 15 Minuten
Einleitung: Die gefährliche Vergötterung eines „Heiligen“
John Stuart Mill wird in der akademischen Welt wie ein Heiliger verehrt. Sein Essay „Über die Freiheit“ gilt als einer der größten Texte zur Verteidigung der individuellen Freiheit. Universitätskurse zum politischen Denken präsentieren Mill routinemäßig als den Vertreter des 19. Jahrhunderts-Liberalismus – oft im direkten Gegensatz zu Karl Marx.
Doch diese Darstellung ist nicht nur irreführend – sie ist gefährlich. Denn Mill hat mehr als jeder andere einzelne Denker dazu beigetragen, den Liberalismus von seinen Wurzeln zu entfremden und in eine Ideologie zu verwandeln, die letztlich den massiven Ausbau staatlicher Macht rechtfertigt.
Der libertäre Historiker Ralph Raico bringt es auf den Punkt: „Viel von der Verwirrung, die im historischen Studium des Liberalismus herrscht, kann auf John Stuart Mill zurückgeführt werden, der eine gewaltig aufgeblähte Position im Konzept des Liberalismus einnimmt.“
Dieser „Heilige des Rationalismus“ – wie Raico ihn sarkastisch nennt – ist für zentrale Verzerrungen der liberalen Doktrin auf mehreren Fronten verantwortlich. Es ist an der Zeit, Mills Ruf kritisch zu hinterfragen und die Wahrheit über sein Vermächtnis ans Licht zu bringen.
Mills Schadensprinzip: Eine Falle hinter schönen Worten
Auf den ersten Blick scheint Mills „Schadensprinzip“ eine klare Begrenzung staatlicher Macht zu sein. Er schreibt:
„Der einzige Grund, aus dem die Menschheit, einzeln oder vereint, sich in die Handlungsfreiheit eines ihrer Mitglieder einzumischen befugt ist, ist Selbstschutz. Der einzige Zweck, um dessentwillen man Zwang gegen den Willen eines Mitglieds einer zivilisierten Gemeinschaft rechtmäßig ausüben darf, ist die Verhinderung von Schädigungen anderer.“
Das klingt gut. Aber Mills Freiheitsbegriff hat einen fatalen Haken, den Ralph Raico als die „schlimmste Deformation des Freiheitskonzepts“ bezeichnet.
Denn bei Mill ist Freiheit nicht mehr primär durch den Schutz vor staatlichem Zwang definiert. Nein, für Mill wird Freiheit bedroht durch die „Tyrannei der vorherrschenden Meinung und Gefühle“, durch die Tendenz der Gesellschaft, „ihre eigenen Ideen und Praktiken als Verhaltensregeln denen aufzuzwingen, die anderer Meinung sind“.
Was zunächst nach einem legitimen Anliegen klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Einfallstor für ein massiv erweitertes Staatsverständnis. Denn wie soll man die Gesellschaft daran hindern, „Konformitätsdruck“ auszuüben, ohne massive staatliche Gewalt einzusetzen?
Die Verwischung der Grenze zwischen Zwang und Missbilligung
Mills Ansatz verwischt den kritischen Unterschied zwischen Gefängnis und sozialer Missbilligung. Wie der Philosoph Edmund Burke bemerkt: Es besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen „sozialer Ablehnung zu erfahren und Gefängnisstrafe zu erfahren“.
Doch Mill behandelt beides als gleichwertige Bedrohungen der Freiheit. Das Ergebnis? Eine Ideologie, die Liberalismus gegen unschuldige, nicht-zwangsbasierte traditionelle Werte und Arrangements richtet – besonders religiöse.
Die absurde Tyrannei der „Autonomie“
Mills Freiheitskonzept erfordert nicht nur Freiheit von staatlichem Zwang – es verlangt „Autonomie“. Und hier wird es bizarr.
Wahre Freiheit, schreibt Mill, erfordert, dass man eigene Entscheidungen trifft. Die „Traditionen oder Gebräuche anderer Menschen“ zu übernehmen, sei nichts als „affenartige Nachahmung“.
Was Mill hier als Problem identifiziert, sehen normale Menschen als Zivilisation. Wo andere Männer und Frauen sehen, die frei Ziele wählen, die ihnen von Institutionen vorgegeben werden, deren Autorität sie freiwillig akzeptieren, sieht Mill die Auslöschung der Freiheit.
Der absurde Fall der „versklavten“ Jesuiten
Mills Obsession mit „Autonomie“ führt zu geradezu grotesken Behauptungen. In einem besonders aufschlussreichen Beispiel schreibt er:
„Ein einzelner Jesuit ist im höchsten Grad der Erniedrigung ein Sklave seines Ordens.“
Man fragt sich: Was soll daraus folgen? Müssen wir Abolitionistenvereinigungen gründen, um die willigen „Sklaven“ der Gesellschaft Jesu zu befreien? Sollten wir einen John Brown auswählen, der die „Sklavengruben“ der Fordham und Georgetown Universitäten stürmt?
Ralph Raico fragt zu Recht: Mit welchem Recht konnten Mill und seine Geliebte Harriet Taylor sich jemals vorstellen, befugt zu sein, über den Status von Mitgliedern katholischer oder orthodoxer Orden, orthodoxer Juden und frommer Muslime oder anderer Gläubiger zu befinden?
Die Antwort ist: Mit keinem. Aber Mills Freiheitskonzept gibt ihm – oder vielmehr dem Staat, der seine Vision durchsetzen soll – genau diese Macht.
Mill: Der zensorische Moralist
Hier enthüllt sich eine Facette Mills, die zu selten beachtet wird. Maurice Cowling, einer der scharfsinnigsten Mill-Kritiker, bringt es auf den Punkt: Mill war „einer der zensorischsten Moralisten des 19. Jahrhunderts“.
Mill fällte ständig Urteile über die Gewohnheiten, Einstellungen, Präferenzen und moralischen Standards großer Gruppen von Menschen, über die er nichts wusste. Wie Cowling trocken bemerkt: „Bigotterie und Vorurteil sind nicht notwendigerweise die besten Beschreibungen für Meinungen, die der Comtesche Determinismus als überholt stigmatisiert hat.“
Die dunkle Seite: Mills wahre Agenda
Der Historiker Joseph Hamburger hat in seinem posthum veröffentlichten Werk die „dunkle Seite“ von John Stuart Mill untersucht. Seine Schlussfolgerung ist erschütternd:
Die Meinungsfreiheit, die in „Über die Freiheit“ verteidigt wird, war größtenteils Teil von Mills großer Strategie – den religiösen Glauben, besonders das Christentum, zu zerstören und die empfangenen Sitten zu demolieren, um den Weg zu einer Gesellschaftsordnung zu ebnen, die auf der „Religion der Menschheit“ basiert.
Wahre Individualität, so Mills Vision, würde sich im zukünftigen „Millianischen Menschen“ verkörpern – einem Wesen, das Mill und Harriet Taylor erträumten, in dem Egoismus und Gier durch Altruismus und die ständige Kultivierung der höheren Fähigkeiten ersetzt wären.
Linda Raeder kommt nach gründlicher Untersuchung aller Mills Hauptwerke zu dem Schluss: „Mills Aspirationen für die Menschen waren nicht das Aufblühen ihrer einzigartigen Individualität, sondern ihre Konformität mit seinem persönlichen Ideal von Wert und Dienst.“
Am Ende, so Raeders vernichtendes Urteil, war Mill kein „wahrer Freund der Freiheit“.
Mills interventionistische Außenpolitik: Der Verrat an Cobden
Mills Verrat am Liberalismus beschränkte sich nicht auf Ökonomie und den Freiheitsbegriff. Auch in der Außenpolitik verwarf er zentrale liberale Prinzipien.
Richard Cobden, einer der konsequentesten liberalen Denker des 19. Jahrhunderts, vertrat das Prinzip der Nichteinmischung in ausländische Kriege. Cobden erkannte, dass solche militärischen Verstrickungen die Freiheit im Inland untergraben würden – durch höhere Steuern, expandierende Staatsmacht und die Militarisierung der Gesellschaft.
Mill hingegen verwarf dieses Prinzip. Er lieferte den Interventionisten ein Argument, das bis heute beliebt ist: dass ein starkes und freies Land wie Großbritannien eine moralische Verpflichtung hat, Völkern zu helfen, die für ihre Freiheit kämpfen, wenn sie von äußeren Mächten bedroht werden.
Das klingt edel. Aber Mill kümmerte sich nicht um die Frage, die Cobden zentral stellte: Wird eine solche ständige Interventionspolitik nicht unweigerlich die Freiheit im Inland gefährden?
Die Geschichte hat Cobden Recht gegeben und Mill Unrecht. Die interventionistische Außenpolitik, die Mill rechtfertigte, hat zu endlosen Kriegen, massiver Ausweitung der Exekutivmacht und der Aushöhlung bürgerlicher Freiheiten geführt.
Auch hier zeigt sich Mills Muster: Im Namen der Freiheit werden Prinzipien geopfert, die die Freiheit schützen sollen.
So bewundernswert Mills Verteidigung der bürgerlichen Freiheiten sein mag – wer einen konsistenten Libertären in ihm sucht, wird nicht nur enttäuscht, sondern sollte alarmiert sein.
In seinen „Principles of Political Economy“ (Grundsätze der politischen Ökonomie) entwickelte Mill Ansichten, die den Kern des Liberalismus angreifen. Mill unterschied zwischen den „Gesetzen der Produktion“ (die er für naturgegeben hielt) und den „Gesetzen der Verteilung“ (die er für gesellschaftlich gestaltbar hielt).
Diese Unterscheidung ist ein Trojanisches Pferd. Sie öffnete die Tür für beliebige staatliche Umverteilung. Denn wenn die Verteilung des Wohlstands eine Sache gesellschaftlicher Entscheidung ist, warum sollte der Staat dann nicht massiv eingreifen?
Mills sozialistische Sympathien
Noch gravierender: Mill sympathisierte zunehmend mit einer Form des Marktsozialismus, der auf Arbeitergenossenschaften basierte. Er schrieb in späteren Auflagen seiner „Principles“, dass „das ganze Lohnsystem“ zugunsten eines genossenschaftlichen Systems abgeschafft werden sollte.
Henry Sidgwick kam zu dem Schluss, dass Mill in den späteren Ausgaben seiner „Principles“ „komplett sozialistisch in seinem Ideal der letztendlichen sozialen Verbesserung“ war.
Mills Verrat am Freihandel
Am verheerendsten war Mills Aussage, dass „das Prinzip der individuellen Freiheit nicht im Freihandelsprinzip involviert ist“. Diese Behauptung lieferte den Protektionisten Munition – und das von jemandem, der als liberaler Denker galt!
Richard Cobden, der große Verfechter des Freihandels, hielt Mills Argument zugunsten des Schutzes „infant industries“ für so schädlich, dass es „alles Gute überwiegt, das durch seine anderen Schriften verursacht worden sein mag“.
Die Ablehnung der Interessenharmonie
Mill verwarf die liberale Idee der langfristigen Interessenharmonie zwischen allen gesellschaftlichen Klassen. Er argumentierte, dass es absurd sei zu behaupten, Unternehmer und Arbeiter hätten die gleichen Interessen – schließlich sei es für eine Person wichtig, ob eine Geldsumme ihr oder jemand anderem gehöre.
Diese oberflächliche und kurzsichtige Argumentation ignoriert völlig die tiefen wechselseitigen Abhängigkeiten in einer Marktwirtschaft. Sie lieferte die intellektuelle Grundlage für den Klassenkampf-Ansatz, der später den Sozialismus prägen sollte.
Mills Vermächtnis: Der Wegbereiter des Interventionsstaates
Die fatale Verknüpfung des Liberalismus mit einer feindseligen Haltung gegenüber Religion, Tradition und sozialen Normen ist mehr als jedem anderen einzelnen Denker John Stuart Mill zu verdanken.
Die Transformation des Liberalismus
Mills Einfluss führte dazu, dass „Liberalismus“ im Laufe des 20. Jahrhunderts eine komplette Bedeutungsverschiebung erfuhr. Was einmal die Verteidigung von Privateigentum, freiem Markt und minimalem Staat bedeutete, wurde zu einer Ideologie des Wohlfahrtsstaates und der sozialen Umgestaltung.
Diese „semantische Diebstahl“ (Paul Gottfried) war kein Zufall. Mills Werk lieferte die intellektuelle Grundlage dafür. Denn wenn:
- Freiheit nicht primär Schutz vor staatlichem Zwang bedeutet, sondern „Autonomie“ von gesellschaftlichen Normen
- Die „Tyrannei der öffentlichen Meinung“ genauso gefährlich ist wie staatliche Unterdrückung
- Die Verteilung des Wohlstands eine Sache gesellschaftlicher Gestaltung ist
- Der Freihandel nicht wirklich mit individueller Freiheit zu tun hat
…dann ist der Weg frei für einen massiv expandierenden Staat, der im Namen der „wahren Freiheit“ in alle Bereiche des Lebens eingreift.
Hayeks tragischer Irrtum
Selbst Friedrich August von Hayek, auf den sich dieser Blog bezieht, beging den Fehler, Mill als authentischen Erben der klassisch-liberalen Tradition darzustellen. Ralph Raico kritisiert dies scharf. Hayek erkannte zwar Mills ökonomische Irrtümer, aber er verstand nicht das volle Ausmaß, in dem Mill den Liberalismus korrumpiert hatte.
Hayek schrieb zwar, dass Mills „Sympathie für sozialistische Bestrebungen“ einen Großteil der liberalen Intellektuellen zu einem moderaten Sozialismus führte. Aber er zog nicht die notwendige Konsequenz: Mill aus dem Pantheon des Liberalismus zu entfernen.
Was wir wirklich von Mill lernen können
Die Frage ist nicht: „War Mill ein Libertärer?“ Die Frage ist: „Warum wird dieser Mann immer noch als großer Verfechter der Freiheit verehrt?“
Was können wir von Mill lernen? Folgendes:
Erstens: Misstraue falschen Freunden der Freiheit. Mill lehrt uns, dass die gefährlichsten Feinde der Freiheit oft im Gewand ihrer Verteidiger auftreten. Jemand, der ständig von „Freiheit“ und „Individualität“ spricht, kann gleichzeitig eine Ideologie vertreten, die letztlich zu massiver staatlicher Expansion führt.
Zweitens: Achte auf die Definition von Freiheit. Wenn „Freiheit“ neu definiert wird – nicht mehr als Abwesenheit von Zwang, sondern als „Autonomie“ von Tradition, Religion und gesellschaftlichen Normen – dann ist das ein Warnsignal. Diese Umdefinierung öffnet die Tür für unbegrenzte staatliche Macht.
Drittens: Ökonomische und politische Freiheit sind untrennbar. Mills Versuch, beides zu trennen – individuelle bürgerliche Freiheiten zu verteidigen, während er den Sozialismus in der Ökonomie befürwortet – war zum Scheitern verurteilt. Wer Privateigentum und freie Märkte angreift, untergräbt letztlich alle Freiheiten.
Viertens: Vorsicht vor intellektueller Vergötterung. Die akademische Welt neigt dazu, bestimmte Denker zu Heiligen zu erheben. Mill ist ein Paradebeispiel. Seine aufgeblähte Reputation hat der Sache der Freiheit mehr geschadet als genützt, indem sie Generationen von Studenten eine verfälschte Version des Liberalismus vermittelt hat.
Fünftens: Geschichte ist wichtig. Nur wenn wir verstehen, wie der Begriff „Liberalismus“ von seinen Wurzeln entfremdet wurde, können wir ihn zurückgewinnen. Mills Rolle in dieser Transformation zu verstehen ist entscheidend.
Mill im libertären Pantheon: Ein notwendiges Urteil
War John Stuart Mill ein Libertärer? Nein. Absolut nicht.
War er ein wichtiger Wegbereiter libertären Denkens? Nein. Er war das Gegenteil – ein Wegbereiter des modernen Interventionsstaates.
Sollten wir Mill lesen? Ja – aber mit kritischem Blick. Mill sollte als Warnung dienen, nicht als Vorbild. Er zeigt uns, wie subtil und verführerisch der Weg von der Verteidigung der Freiheit zu ihrer Aushöhlung sein kann.
Ralph Raicos Urteil ist klar und sollte uns eine Warnung sein: Mill ist kein Held im Pantheon des Liberalismus, sondern eine Warntafel. Sein Vermächtnis ist eines des wohlmeinenden – oder vielleicht absichtlichen – Verrats. Er transformierte den Liberalismus in eine Ideologie, die ihre ursprüngliche Mission vergisst und zum Wegbereiter staatlichen Zwangs im Dienste elite-genehmigter Tugend wird.
Die Lektion für heute
In einer Zeit, in der:
- Staatliche Macht in fast allen Lebensbereichen expandiert
- Überwachung zunimmt
- Meinungsfreiheit unter dem Vorwand der „Hassrede“-Bekämpfung beschränkt wird
- Traditionelle Institutionen und Werte im Namen der „Autonomie“ angegriffen werden
- „Liberalismus“ mit Sozialdemokratie gleichgesetzt wird
…ist es wichtiger denn je, zu verstehen, wie diese Entwicklung ihren Anfang nahm. Und ein entscheidender Teil dieser Geschichte ist die Perversion des Liberalismus durch John Stuart Mill.
Die wahren Erben des Liberalismus sind nicht Mill und seine Nachfolger, sondern Denker wie:
- Frédéric Bastiat, der die Harmonie der Interessen und die Schönheit des freien Austauschs verteidigte
- Herbert Spencer, der vor der „kommenden Sklaverei“ des Wohlfahrtsstaates warnte
- Wilhelm von Humboldt, dessen echte Verteidigung der Individualität Mill vorgab nachzuahmen
- Ludwig von Mises und Friedrich Hayek, die die ökonomische Unmöglichkeit und moralische Verwerflichkeit des Sozialismus nachwiesen
- Murray Rothbard, der den Liberalismus zu seinen radikalen Wurzeln zurückführte
Diese Denker verstanden, dass Freiheit auf dem Fundament von Privateigentum, freien Märkten und streng begrenzter staatlicher Macht ruht. Sie wussten, dass man nicht gleichzeitig Sozialismus in der Ökonomie und Freiheit im Rest des Lebens haben kann.
Schlussfolgerung: Die Entlarvung eines falschen Propheten
John Stuart Mill war kein Freund der Freiheit. Er war ihr Verräter – vielleicht ein wohlmeinender, vielleicht ein absichtlicher, aber ein Verräter dennoch.
Seine aufgeblähte Reputation in der akademischen Welt und in Einführungskursen zur politischen Philosophie ist nicht nur ein intellektuelles Ärgernis. Sie ist eine aktive Gefahr für das Verständnis dessen, was Liberalismus wirklich bedeutet.
Durch Mill wurden Generationen von Studenten gelehrt:
- Dass „Freiheit“ bedeutet, frei von gesellschaftlichen Normen und Traditionen zu sein – nicht frei von staatlichem Zwang
- Dass der Staat die Verteilung des Reichtums nach Belieben gestalten kann
- Dass Sozialismus mit Liberalismus vereinbar ist
- Dass Freihandel nichts mit individueller Freiheit zu tun hat
Jede dieser Lektionen ist falsch. Und jede hat dazu beigetragen, den Weg für den massiven Ausbau staatlicher Macht im 20. Jahrhundert zu ebnen.
Die Botschaft ist klar: Wenn wir den Liberalismus retten wollen, den echten Liberalismus von Privateigentum, freien Märkten und begrenzter Regierung, dann müssen wir Mills falsches Erbe zurückweisen.
Das bedeutet nicht, dass wir nicht von ihm lernen können. Aber wir lernen von ihm als Warnung, nicht als Vorbild. Mill zeigt uns, wie subtil und gefährlich die Verfälschung des Freiheitsbegriffs sein kann.
In einer Zeit, in der der Staat im Namen der „Freiheit“ in unser Leben eingreift, in der „Liberalismus“ mit Sozialdemokratie verwechselt wird, in der traditionelle Institutionen und Werte unter Beschuss stehen – in einer solchen Zeit brauchen wir Klarheit über unsere intellektuellen Wurzeln.
Und diese Klarheit erfordert, dass wir Mill da sehen, wo er hingehört: nicht im Pantheon der Freiheit, sondern in der Galerie ihrer falschen Freunde.
Lesen Sie die wahren Liberalen. Lesen Sie Bastiat, Spencer, Mises, Hayek, Rothbard. Und wenn Sie Mill lesen – lesen Sie ihn mit den Augen von Ralph Raico. Sehen Sie ihn als das, was er war: ein brillanter Schriftsteller und Denker, der den Liberalismus auf einen falschen Weg führte, von dem wir uns erst heute langsam erholen.
Die Verteidigung der Freiheit ist zu wichtig, um sie falschen Propheten zu überlassen.
Dieser Artikel erscheint im Blog „Weg zur Freiheit“, inspiriert von Friedrich August von Hayek und Ralph Raico. Für weitere kritische Analysen über Freiheit, echten Liberalismus und die Verteidigung des freien Marktes, bleiben Sie am Ball.
Weiterführende Lektüre:
- Ralph Raico: „Classical Liberalism and the Austrian School“
- Ralph Raico: „The Struggle for Liberty“ (Vorlesungsreihe)
- Linda C. Raeder: „John Stuart Mill and the Religion of Humanity“
- Murray Rothbard: „Classical Economics“ (Band 2 von „An Austrian Perspective on the History of Economic Thought“)
- Joseph Hamburger: „John Stuart Mill on Liberty and Control“
Ein kritischer Blick auf einen der einflussreichsten Denker des 19. Jahrhunderts und seine Bedeutung für das libertäre Denken
