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Mary Wollstonecraft: Die Vorkämpferin individueller Selbstbeherrschung

Zusammenfassung

Mary Wollstonecraft war keine Anarcho-Kapitalistin und doch eine echte Proto-Libertäre im Hayek’schen Sinn. Ihre Forderung nach individueller Selbstbeherrschung durch Vernunft, nach Freiheit als Unabhängigkeit von willkürlicher Herrschaft (in Familie, Kirche und Staat) und nach natürlichen Rechten, die nicht vom Staat verliehen, sondern nur geschützt werden, ist lupenreiner Individualismus. Sie kämpfte gegen jede Form von Tyrannei – vom „schwachen König“ im Ehebett bis zum Monarchen auf dem Thron. In diesem Beitrag für „Weg zur Freiheit“ zeige ich, warum Wollstonecraft die Aufklärung der individuellen Freiheit auf Frauen ausdehnte, was wir heute daraus lernen können und wo berechtigte Kritik ansetzt. Wer nur die Zusammenfassung liest, kennt bereits den Kern: Echte Freiheit beginnt mit Selbstbeherrschung – nicht mit staatlicher „Fürsorge“. Wer Frauen die Vernunft abspricht, tyrannisiert die ganze Gesellschaft.

Mary Wollstonecraft: Die Vorkämpferin individueller Selbstbeherrschung

„Der Mensch ist frei, sobald er sich selbst will.“**  

Johann Wolfgang von Goethe hätte dieses Wort auch über Mary Wollstonecraft schreiben können. Die Frau, die 1792 mit *A Vindication of the Rights of Woman* die Welt erschütterte, war in ihrer Haltung zu Freiheit, Obrigkeiten und Staat näher an Hayek als viele heute glauben.

Wer war Mary Wollstonecraft?

Geboren 1759 in London, starb sie 1797 mit nur 38 Jahren. Sie gründete eine Mädchenschule, lebte in Paris während der Revolution, hatte eine Tochter mit dem amerikanischen Abenteurer Gilbert Imlay und heiratete schließlich den anarchistischen Philosophen William Godwin. Ihr Meisterwerk *A Vindication of the Rights of Woman* (1792) war ein Frontalangriff auf Rousseau, Burke und die gesamte patriarchale Ordnung. Sie schrieb auch *A Vindication of the Rights of Men* (1790) gegen Burkes Kritik der Französischen Revolution.

Ihre Haltung zu Freiheit, zu Obrigkeiten und zum Staat

Wollstonecraft hasste jede Form willkürlicher Herrschaft:

> „I do not wish women to have power over men; but over themselves.“

Freiheit war für sie **Unabhängigkeit von dominierender Macht** – nicht nur Abwesenheit von Zwang, sondern Selbstbeherrschung durch Vernunft. Sie verglich die Lage der Frauen mit Sklaverei und den „schwachen König“ im Ehebett mit dem absoluten Monarchen:

> „Tyrants of every denomination, from the weak king to the weak father of a family, use this same argument – that ‘It is in your own best interests’.“

Gegen Obrigkeiten war sie radikal: Sie forderte Repräsentation für Frauen im Parlament, Abschaffung erblicher Titel und eine Verfassung auf Vernunft statt Tradition. Den Staat sah sie als Hüter natürlicher Rechte – nicht als Erfinder von Rechten:

> „Rights […] do not come from governments. They belong to each and every person by virtue of their birth and their nature.“

Sie kritisierte Steuern, die „idle princes and princesses“ finanzieren, und jede Form von Abhängigkeit, die den Menschen entmündigt.

Wollstonecraft und Hayek: Die Aufklärung der individuellen Vernunft

Hayek warnte vor der „fatalen Anmaßung“ zentraler Planer. Wollstonecraft zeigte, dass diese Anmaßung schon in der kleinsten Zelle der Gesellschaft beginnt – in der Familie. Sie übertrug die Aufklärungsidee der Vernunft auf Frauen und bewies: Nur wenn jeder Einzelne (Mann wie Frau) selbst denken und entscheiden darf, entsteht eine freie Gesellschaft. Ihre Kritik an Burke ist die Kritik an jeder „konstruktivistischen“ Traditionspflege: Ordnung muss auf Vernunft und individueller Verantwortung beruhen, nicht auf blinder Unterwerfung.

Sie betrieb echte **Aufklärung**: Sie befreite die Hälfte der Menschheit aus der geistigen Knechtschaft und zeigte, dass Freiheit ohne gleiche Vernunft für alle nur Tyrannei ist.

Was wir von Mary Wollstonecraft für den Weg zur Freiheit lernen können

1. **Freiheit ist Selbstbeherrschung.** Nicht „Macht über andere“, sondern „Macht über sich selbst“.

2. **Arbiträre Macht ist überall gefährlich.** Ob im Staat, in der Ehe oder in der Erziehung – willkürliche Herrschaft zerstört Tugend und Vernunft.

3. **Rechte kommen nicht vom Staat.** Der Staat schützt sie nur – oder wird zum Tyrannen.

4. **Bildung befreit Individuen.** Vernunft muss für alle zugänglich sein, damit niemand abhängig bleibt.

5. **Frauenrechte sind Menschenrechte.** Wer die Freiheit der Frau einschränkt, tyrannisiert die ganze Gesellschaft – genau wie Hayek später vor kollektivistischer Planung warnte.

Wer heute gegen Gender-Quoten, gegen staatliche „Fürsorge“ oder gegen neue Formen familiärer Abhängigkeit kämpft, steht in ihrer Tradition.

Kritik: War sie wirklich libertär nach heutigen Maßstäben?

Ja – und doch mit klaren Grenzen. Libertäre Quellen feiern sie:

– FEE: „Mary Wollstonecraft: Libertarian Feminist“ – tief individualistisch, Rechte nicht vom Staat, Politiker sollen die Menschen danach in Ruhe lassen.

– Libertarianism.org: „Individualist Feminist, Classical Republican“ – Freiheit als non-domination.

– Cato Institute und Encyclopedia of Libertarianism: Klassische Liberale, die Frauenrechte in den Liberalismus integrierte.

Aber es gibt gewichtige Gegenstimmen:

– Cato: „even if she was not always arguing for a strictly libertarian set of rights“ – vor allem wegen ihres Vorschlags eines **nationalen Bildungssystems** (staatlich finanzierte, koedukative Tagesschulen, reguliert durch Parish-Komitees). FEE räumt ein: „naive trust in governments to run uplifting schools“.

– Stanford Encyclopedia: Sie ist republikanisch (Betonung auf civic virtue und Unabhängigkeit von Dominanz) mehr als rein liberal (negative Freiheit). Ihre späteren Schriften kritisieren sogar kommerzielle Exzesse – ein Hauch von Anti-Kapitalismus.

– Sie war keine Minarchistin: Sie akzeptierte staatliche Erziehung als Mittel zur Tugend und wollte Revolutionen mit Regierungsreform.

Fazit der Kritik: Wollstonecraft war **keine Anarcho-Kapitalistin** und keine Dogmatikerin des Minimalstaats. Ihre Bildungsplanung und republikanische Tugendlehre gehen über strikte Nicht-Einmischung hinaus. Dennoch: Ihre Kernbotschaft – **individuelle Selbstbeherrschung, Rechte von Natur aus, Kampf gegen jede willkürliche Macht** – ist heute libertärer denn je. Wer sie als „nur Feministin“ abtut, übersieht die politische Sprengkraft ihres Werks.

Schluss: Wollstonecraft als Kompass auf dem Weg zur Freiheit

Jane Jacobs zeigte spontane Ordnung in Städten. Charles Darwin in der Biologie. Isaac Newton in der Physik. Mary Wollstonecraft in der kleinsten Einheit: der menschlichen Seele und der Familie. Alle lehren dasselbe: Freiheit entsteht nicht durch Planung von oben, sondern durch Vernunft und Verantwortung jedes Einzelnen.

Für unseren Blog „Weg zur Freiheit“ ist sie unverzichtbar. Sie war die erste, die Hayeks zentrale Einsicht auf das Geschlechterverhältnis anwandte: Der Weg zur Knechtschaft beginnt mit der Behauptung, jemand anderes wisse besser, was gut für dich ist.

**Lest sie selbst.** Beginnt mit *A Vindication of the Rights of Woman*. Dann werdet ihr nie wieder glauben, dass der Staat (oder der Ehemann) „für euch entscheiden“ muss.

Quellen & Weiterführung

– Mary Wollstonecraft, *A Vindication of the Rights of Woman* (1792) & *A Vindication of the Rights of Men* (1790)  

– Stanford Encyclopedia of Philosophy: „Mary Wollstonecraft“ (Tomaselli, 2008)  

– FEE: „Mary Wollstonecraft: Libertarian Feminist“ (2016)  

– Libertarianism.org: „Mary Wollstonecraft: Individualist Feminist, Classical Republican“ (2019)  

– Cato University: Module on Wollstonecraft  

– infed.org: „Mary Wollstonecraft on national education“  

Lasst uns in den Kommentaren diskutieren: Wo seht ihr heute die „schwachen Könige“ à la Wollstonecraft – sei es im Staat, in der Familie oder in neuen Ideologien? Und wie können wir ihre Lehren für echte individuelle Freiheit nutzen?

Freiheit bedeutet: Macht über sich selbst – nicht über andere. Mary Wollstonecraft hat es uns gezeigt. Jetzt liegt es an uns.

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