Individualismus setzt beim einzelnen Menschen an: Er ist Träger von Rechten, Zentrum moralischer Rücksicht und Quelle gesellschaftlicher Ordnung. Verwechselt wird er oft mit Egoismus.
Siehe auch:
Kollektivismus , Libertarismus , Klassischer Liberalismus , Subsidiarität
Individualismus bezeichnet Denkweisen, die vom einzelnen Menschen ausgehen und ihn zum Ausgangspunkt ethischer und politischer Überlegungen machen. Der Begriff kam im frühen 19. Jahrhundert auf, im Deutschen zunächst als abwertende Zuschreibung. Bekannt wurde die positive Fassung durch Alexis de Tocqueville, der 1835 in „Über die Demokratie in Amerika“ von einer neuen Haltung sprach, in der sich jeder auf seine eigene kleine Welt zurückzieht. Zu unterscheiden sind ein methodischer Individualismus, der gesellschaftliche Vorgänge aus dem Handeln Einzelner erklärt, und ein normativer Individualismus, für den jedes Individuum denselben Anspruch auf Achtung hat.
Für die Freiheit folgt daraus: Rechte liegen bei Personen, nicht bei Ständen, Nationen oder Klassen. Das begründet Schutz vor Übergriffen, Eigenverantwortung und die Annahme, dass gesellschaftliche Ordnung aus freiwilliger Zusammenarbeit entsteht statt von einer Zentrale gesetzt zu werden. Individualismus ist dabei nicht Egoismus. Die meisten seiner Vertreter betonen Familie, Nachbarschaft und freiwillige Vereine als tragende Schichten und sehen den Einzelnen gerade deshalb auf verlässliche Regeln und gegenseitige Achtung angewiesen.
Kritiker sehen darin eine Verengung. Kommunitaristen und Sozialisten halten entgegen, der Mensch sei durch Sprache, Herkunft und Gemeinschaft geprägt und könne seine Fähigkeiten nur in tragfähigen Verbänden entfalten. Ein starkes Betonen individueller Rechte führe zu Vereinzelung und blende ungleiche Ausgangslagen aus. Diese Einwände verdienen eine ehrliche Prüfung, auch wenn sie oft übersehen, wie viel Unabhängigkeit vom Wohlwollen anderer der Einzelne gerade in einer freien Ordnung gewinnt.
